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2212

neubau einfamilienhaus (finca) artá, mallorca

finca

ein langgestrecktes wohnhaus in der offenen kulturlandschaft nahe artà. ein gebäude, das sich weniger als kompakter körper, sondern als eine folge unterschiedlich offener und geschlossener räume versteht. mauer, dach, holz, landschaft. dazwischen immer wieder öffnungen, durchblicke und überlagerungen.

der entwurf entwickelt sich konsequent aus dem ort. aus der topografie des leicht geneigten grundstücks, den vorhandenen landschaftsstrukturen, den mallorquinischen trockenmauern, der vegetation und dem wunsch, ein haus zu schaffen, das gleichzeitig schutz bietet und maximal offen zur landschaft bleibt.

die finca liegt lang und niedrig im terrain. keine inszenierte solitärarchitektur auf einer plattform, sondern eine horizontale figur, die sich in die hanglage einschreibt. das gebäude folgt der topografie, während die umgebenden bankale, muros secos und wenigen treppenanlagen die vorhandene landschaft weiterführen.

entscheidend für den entwurf ist dabei weniger die fassade als grenze zwischen innen und außen, sondern die frage, wie weit diese grenze überhaupt noch notwendig ist.

im zentrum des hauses liegen wohn- und essbereich. beide räume sind auf ihren gegenüberliegenden längsseiten nahezu vollständig zu öffnen. die großformatigen schiebeverglasungen verschwinden seitlich aus dem blickfeld. damit entsteht kein wohnraum mit terrasse, sondern ein überdeckter wohnraum innerhalb der landschaft.

vorn offen. hinten offen.

die landschaft läuft durch das gebäude hindurch.

vom hangaufwärts gelegenen bereich blickt man durch wohn- und essraum weiter auf die südliche, tiefer liegende landschaft. umgekehrt reicht der blick vom pool durch das haus bis auf die gegenüberliegende seite des grundstücks. architektur wird hier zum rahmen. das gebäude definiert ausschnitte, ohne den landschaftsraum zu unterbrechen.

diese doppelseitige öffnung ist eines der grundlegenden entwurfsthemen von 2212.

der wohnraum funktioniert damit ähnlich einem pavillon. im sommer vollständig geöffnet, im übergang zwischen den jahreszeiten nur partiell geschlossen und im winter als geschützter innenraum. die architektur kann auf klima, wind und sonne reagieren, ohne ihre räumliche grundidee zu verändern.

die sonst übliche klare abfolge innenraum – fassade – terrasse – garten wird aufgehoben. innen und außen liegen übereinander.

auch der porche folgt diesem prinzip.

er ist nicht als klassischer, einseitig an die finca angefügter vorbau formuliert. vielmehr wird er als eigenständiger raum innerhalb der gesamten gebäudefigur verstanden. auch dieser bereich kann sich auf zwei gegenüberliegenden seiten vollständig zur landschaft öffnen.

ein schaufenster.

nicht im sinne einer ausstellung, sondern als vollständig durchsehbarer, überdeckter landschaftsraum.

die langen blickachsen durch wohnbereich, essbereich und porche verleihen dem eingeschossigen haus eine ungewöhnliche räumliche tiefe. trotz seiner erheblichen längsausdehnung wird das gebäude nicht als korridorartige abfolge einzelner zimmer wahrgenommen. immer wieder wird die orthogonale organisation durch querblicke gebrochen.

man sieht durch das haus hindurch.

räume enden nicht zwangsläufig an einer wand.

sie enden am horizont.

eine wesentliche rolle übernimmt dabei die dachkonstruktion. kräftige leimbinder strukturieren wohnbereiche und porches in einem gleichmäßigen konstruktiven rhythmus. sie sind nicht dekorative ergänzung, sondern sichtbares primärtragwerk und damit teil des architektonischen ausdrucks.

die konstruktion bleibt lesbar.

die leimbinder werden als industriell präzise gefertigte holzbauteile gezeigt. ihre verleimten lamellen, die gleichmäßige maserung und die konstruktive dimension bleiben sichtbar. innen bilden sie zusammen mit den holzdecken eine warme, beinahe elementare dachlandschaft.

außen laufen die träger weiter.

damit wird die konstruktive ordnung des innenraumes über die fassadenebene hinausgeführt. das dach endet nicht dort, wo die verglasung endet. die tragstruktur greift in den außenraum und erzeugt jene tiefen schattenzonen, die für das mediterrane klima ebenso funktional wie räumlich bestimmend sind.

teilbereiche der porches sind mit traditionellen dachflächen gedeckt, andere bleiben zwischen den leimbindern offen beziehungsweise werden mit textilen beschattungselementen überspannt.

diese textilien sind keine locker durchhängenden sonnensegel. es handelt sich um straff geführte, elektrisch einfahrbare spanntextil-rollos. in einem zurückhaltenden taupe-ton liegen sie zwischen den kräftigen holzträgern und verändern je nach stellung Licht, Schatten und Transparenz der Architektur.

ein zweites element zur klimatischen konditionierung bilden die großformatigen persianas.

auch sie werden nicht als filigrane lamellen verstanden. die verschiebbaren elemente bestehen aus massiven, alten, graubraun verwitterten holzbohlen. geschlossen geben sie dem langgestreckten gebäude eine fast archaische, geschützte erscheinung. geöffnet stehen sie vor den fassaden und werden zu eigenständigen beweglichen elementen.

damit verändert das haus sein gesicht.

offen, halb geöffnet oder vollständig geschlossen.

die fassade ist kein statischer zustand.

sie reagiert auf sonne, wind, privatheit und nutzung.

im kontrast zu diesen schweren holzelementen stehen wenige sehr leichte textile vorhänge. transparente stoffe markieren einzelne der großen öffnungen. sie werden nicht als raumabschluss eingesetzt. ihre bewegung im wind macht vielmehr sichtbar, was architektonisch ohnehin beabsichtigt ist: der luftstrom geht durch das haus.

der mediterrane außenraum wird nicht ausschließlich betrachtet. er wird klimatisch in den innenraum hineingelassen.

materialseitig folgt das projekt einer bewusst begrenzten palette.

mallorquinischer putz, marés, holz, glas, metall und mineralische bodenflächen bilden den grundkanon. die materialien werden nicht ornamental eingesetzt, sondern konstruktiv beziehungsweise räumlich begründet.

helle, leicht unregelmäßige putzoberflächen und marés geben den massiven bauteilen eine erdige, mineralische erscheinung. die farbigkeit bleibt innerhalb der natürlichen töne des grundstücks. beige, sand, gebrochenes weiß und die graubraunen holzoberflächen verbinden das haus mit dem trockenen terrain.

innerhalb dieser zurückhaltenden materialwelt erscheinen einzelne präzise gesetzte kontraste.

die küche wird durch eine großformatige dichroitische glasscheibe vom essbereich getrennt.

je nach blickwinkel und sonnenstand verändert diese ihre farbe und transparenz. gelb, gold, leicht grünlich oder beinahe transparent. das glas wird zum lichtfilter zwischen den räumen und erzeugt wechselnde reflexionen auf holz, terrazzo und metalloberflächen.

auch die brüstung der dachterrasse folgt diesem prinzip.

das dichroitische glas ist damit kein dekorativer farbakzent, sondern ein material, das sich permanent mit der mallorquinischen sonne verändert.

der küchenblock selbst ist als monolithisches möbel in baubronze ausgebildet. die metalloberfläche kontrastiert mit den hölzernen dach- und wandflächen und entwickelt mit zunehmendem alter ihre eigene patina. holz und bronze stehen dabei bewusst nebeneinander: warm gegen warm, aber mit völlig unterschiedlicher materialtiefe.

im wohnbereich hängt der gyro focus frei im raum.

der schwarze kamin steht nicht an einer wand. gerade deshalb funktioniert er innerhalb des vollständig geöffneten wohnraumes als räumlicher schwerpunkt. die vertikale schwarze figur des kamins kontrastiert mit der ausgeprägten horizontalität des gebäudes und den langen leimbindern.

darum gruppiert sich die lose möblierung des wohnbereiches.

die niedrigen, tiefen module des b&b italia tufty-time übernehmen dabei nicht die rolle klassischer sofas entlang von wänden. sie stehen frei im raum. ihre landschaftliche anordnung folgt der offenen grundrissidee und lässt unterschiedliche blickrichtungen zu.

zum feuer.

zur landschaft.

zum pool.

zum essbereich.

oder durch das komplette gebäude hindurch.

2212 besitzt damit keine eindeutige vorder- und rückseite.

auf der hangaufwärts gelegenen seite erfolgt die ankunft. von der öffentlichen straße führt ein langer, zurückhaltend ausgebildeter kies- und feldweg entlang der bestehenden vegetation zum haus. erst unmittelbar vor der garage weitet sich dieser zu einem bewegungs- und wendebereich auf.

die garage ist in die lineare gebäudefigur integriert und nicht als zusätzliches nebengebäude inszeniert.

auf dieser seite strukturieren die vorhandene topografie und die weiterentwickelten mallorquinischen trockenmauern die landschaft. einzelne treppenanlagen überwinden die niveauunterschiede der bankale.

auf der gegenüberliegenden, hangabwärts gelegenen südseite öffnet sich das haus zum pool und zur weiten landschaft.

der pool liegt bewusst etwas vom gebäude abgesetzt im terrain. zwischen wohnhaus und wasser verbleibt Landschaft. wenige massive trittstufen und platten verbinden beide bereiche.

kein klassisches pooldeck.

kein vollständig befestigter vorgarten.

das wasser liegt vielmehr wie ein eigenständiger horizontaler körper im hang.

seine dunkle oberfläche wird mit einem tiefen hisbalit-mosaik ausgebildet. durch die infinity-kante löst sich die hangabwärtige begrenzung optisch auf. wasser und landschaft überlagern sich.

die außenanlagen bleiben dabei bewusst nah an der vorhandenen vegetation der region um artà.

olivenbäume, pinien und ullastres prägen das landschaftsbild. entlang der grundstücksgrenzen verdichtet sich diese vegetation partiell, ohne eine künstliche grüne wand zu erzeugen.

wenige washingtonia robusta, washingtonia filifera und phoenix dactylifera setzen vertikale akzente innerhalb der ansonsten überwiegend niedrigen mediterranen vegetation.

gräser und pennisetum bewegen sich im wind und bilden den weichen gegenpol zur linearen architektur, den mineralischen flächen und den trockenmauern.

landschaftsarchitektur bedeutet hier nicht, eine neue landschaft um das haus herum zu entwerfen.

es geht vielmehr darum, das haus in jene landschaft zurückzugeben, aus der seine architektur entstanden ist.

2212 ist deshalb ein haus aus widersprüchen.

massive mauern und maximale transparenz.

schwere holzschieber und fast unsichtbare glasfassaden.

kräftige leimbinder und leichte textile segel.

geschlossene schlafbereiche und vollständig offene gemeinschaftsräume.

mineralische materialien und warme holzkonstruktion.

ein langes gebäude, das dennoch quer gedacht wird.

entscheidend ist dabei nicht die einzelne form.

entscheidend ist die abfolge.

geschlossen – offen – massiv – transparent – innen – außen – innen.

das haus wird dadurch weniger als objekt wahrgenommen denn als räumliches instrument innerhalb der landschaft.

eine finca, die sich schließen kann.

und ein pavillon, der fast vollständig verschwinden kann.

projekt: 2212
grösse: 392 m2 (bkf, gebäude, pool), 19363 m2 (aussenanlagen)
grundfläche: 386 m2 (inkl. terrassen)
kunde: vertraulich
ort: artá, mallorca
typ: neubau einfamilienhaus mit swimming pool
team (gebäude): jle
team (innenarchitektur): jle
team (aussenanlagen): jle
verantwortliche architekten: jle