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1416

umbau erweiterung, port andratx, mallorca

projekt 1416 umbau erweiterung generalsanierung (teilabriss)

Hoch über Port Andratx, in der steilen Hanglage zwischen Küstenlinie und Hinterland, besitzt dieses Grundstück eine seltene, nahezu überdimensionierte Aussichtssituation: Von hier öffnet sich der Blick gleichzeitig auf zwei Calas – Marmassen und Pi –, auf La Mola, auf die Insel Dragonera, den Berg Mon Port, das Dorf und den Hafen von Port Andratx sowie in die Topografie des Hinterlands von Andratx.

Der genius loci dieses Ortes ist nicht nur „Meerblick“, sondern ein permanent wechselndes Panorama, das Tageszeiten, Wetter und Aktivität im Hafen wie einen Live-Stream erlebbar macht. Genau daraus leitet sich die zentrale Entwurfsprämisse ab: Das Gebäude darf nicht länger als massiver Körper gegen den Hang stehen, sondern muss sich – technisch und räumlich – vollständig erneuern, entkernen und in eine transparente, lichtfilternde Architektur überführen, die Sicht, Licht und Atmosphäre als eigentliche Baumaterialien nutzt.

Der Bestand war über Jahre zu einer burgartig überformten Villa geworden: turmartige Aufbauten, schwer wirkende Wandsegmente, kleinteilige Öffnungen und eine verteidigende Silhouette – eine Art „Burgarchitektur“, die dem eigenen Ort widersprach, weil sie ausgerechnet die größten Qualitäten, nämlich Blick und Weite, räumlich blockierte.

Unser Ansatz kombinierte daher Generalsanierung, vollständige Entkernung, selektiven Teilabbruch und eine konsequente Neuorganisation. Ziel war die präzise Entmaterialisierung des Gebäudes: weg von additiver Massigkeit, hin zu einem mediterranen, lichtdurchfluteten Hanghaus, das die maximal realisierbaren Sichtachsen freilegt und in allen Geschossen die Landschaft als ständige räumliche Referenz integriert.

Rückbau der Burgarchitektur und Neuformulierung als Hanglandschaft

Der Rückbau der turmartigen Elemente und der massiven, ornamental aufgeladenen Volumetrie war nicht nur eine ästhetische Korrektur, sondern die Voraussetzung für ein neues, zeitgemäßes Raumkontinuum. Durch das Entfernen der „Türme“ und das Zurückschneiden schwerer Bauteile entsteht eine gestaffelte, horizontale Architektur, die sich in den Hang einschreibt, statt ihn zu dominieren.

Die neue Silhouette wird über auskragende Flachdächer und gestaffelte Terrassenebenen definiert: Eine Dach- und Plattenlandschaft, die tiefen Schatten, präzise Rahmungen und eine klare horizontale Lesbarkeit erzeugt – mediterran, ruhig, selbstverständlich. Das Haus wird nicht als solitäres Objekt gedacht, sondern als Architektur-Topografie: Plattformen, Überhänge, transparente Fugen und gefilterte Schichten.

Meerfassaden: Komplettverglasung als Panorama-Instrument

Die Fassaden zum Meer hin werden als durchgehende, raumhohe Komplettverglasungen mit großformatigen Schiebeelementen konzipiert. Diese Öffnung ist das eigentliche Programm: Wohnen, Essen und Terrassen werden zu einer durchlaufenden Ebene, die sich je nach Jahreszeit und Nutzung vollständig zum Außenraum aufschieben lässt. Die Blickqualität wird dabei nicht zufällig „mitgenommen“, sondern architektonisch organisiert: lange, horizontale Sichtachsen, reduzierte Rahmungen, klare Raumkanten. So entsteht auf jedem Geschoss eine unmittelbare Beziehung zur Bucht – als würde das Gebäude die Landschaft nicht betrachten, sondern in sich aufnehmen.

Doppelschalige Membranfassade: Schatten, Filter, Leuchten

Ein entscheidendes Entwurfsmerkmal ist die Ausbildung der seitlichen Fassaden sowie der Geschossdeckenverkleidungen als doppelschalige Membran-/Filterfassade. Diese Hülle folgt einer klaren Logik mit zwei Betriebszuständen:

Diese doppelschalige Fassadenidee ist damit Klima- und Komfortwerkzeug, Privatsphärenregler und architektonische Signatur zugleich. Sie ermöglicht maximale Offenheit zum Meer, ohne die Anforderungen an Schatten, Hitze, Blickschutz und Nutzerkomfort zu ignorieren.

Außenanlagen: terrassierte Topografie auf extremem Hanggrundstück

Das Grundstück verlangt eine präzise Außenraumstrategie. Geplant ist eine terrassierte Hangtopografie mit Infinity-Pool, gestuften Plateaus und klar zonierten Sitz- und Liegebereichen. Der Pool wird als horizontales Horizontelement gedacht – eine Wasserfläche, die optisch in die Bucht verlängert und die Blickrichtung stabilisiert.

Stufen, Mauern und Pflanzflächen werden nicht additiv gesetzt, sondern als räumliche Sequenz komponiert: kurze Wege, Zwischenpodeste, windgeschützte Ecken, Plätze für Schatten und Sonne. Begrünung dient dabei nicht als Dekor, sondern als Intimitätsfilter zu den Anrainern: mediterrane Pflanzkörper, die Einblicke brechen, Sichtachsen lenken und das Haus in den Hang „einweben“.

Roof-Top und Dachlandschaft: der zusätzliche Aussichtsort

Die Dachzone wird als Roof-Top-Dachlandschaft ausgebildet – als vierte Lebensschicht über dem Gelände. Eine Dachterrasse mit automatisierter Schwenkmarkise und drehbarem Flachschirm erweitert das Nutzungsspektrum: tagsüber Schattenlounge, abends windgeschützter Aussichtsort oder Outdoor-Cinema. Die Dachlandschaft ist bewusst reduziert und funktional integriert, damit sie in der Fernwirkung nicht „Aufsatz“ wird, sondern logische Fortsetzung der gestaffelten Flachdächer.

Erschließung und Innenarchitektur: Offenheit, kurze Wege, klare Zonen

Ein Glasaufzug erschließt alle vier Geschosse barrierearm und macht die vertikale Bewegung selbst zu einer Panoramaerfahrung. Die Drive-in-Doppelgarage wird als Teil der Wohnsequenz gedacht und über Verglasungen zum Wohnbereich hin geöffnet – nicht als reine Technikzone, sondern als integrierter Baustein im räumlichen Ablauf.

Innen entsteht eine offene, fließende Architektur mit klarer Zonierung: großzügiger Living-Bereich mit Meerorientierung, offene Schnittstellen zu Terrassen und Pool, sowie private Bereiche, die sich präzise aus dem Raumkontinuum lösen. Geplant sind vier Schlafzimmer mit Bädern en suite, ergänzt um Neben- und Technikflächen, die exakt in die Hangstruktur integriert werden. Der Anspruch: hohe räumliche Großzügigkeit bei gleichzeitig lesbarer Organisation und robusten, wartungsarmen Details.

Leistung und Projektverlauf

Beauftragt waren sämtliche Leistungsphasen inkl. Projektmanagement bis zur Übergabe nach vollendeter Bauleitung.

— Im Zuge der finalen Vergabe entschied sich der Bauherr jedoch, die Ausführung in die Hände eines externen Projektmanagements zu geben, das eine kostengünstigere Realisierung über eigene Preisansätze und Ausführungspartner in Aussicht stellte. Wir haben uns daraufhin – auch zur Wahrung unserer planerischen Verantwortung und der definierten Qualitätsmaßstäbe – aus dem Projekt zurückgezogen.

Mit großem Bedauern müssen wir feststellen, dass das anschließend realisierte Ergebnis in wesentlichen Punkten hinter den gemeinsam erarbeiteten Qualitäts- und Gestaltungszielen zurückbleibt: Proportionen, Detailausbildung und Materialwirkung weichen deutlich von der intendierten Architektur ab. Aus unserer Sicht wurde damit nicht nur die gestalterische Idee substantiell verändert, sondern auch das langfristige Potenzial des außergewöhnlichen Ortes und der Investition des Bauherrn nicht angemessen eingelöst.

projekt: 1416
grösse: –
grundfläche: –
kunde: vertraulich
ort: südwestküste caller del violi port andratx, mallorca
typ: einfamilienhaus
team (gebäude): jle
team (aussenanlagen): jle
verantwortliche architekten: jle