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1815

umbau und erweiterung sa rapida llucmajor, mallorca

mares naturstein

sa ràpida ist ein ort, an dem licht nicht nur „vorhanden“ ist, sondern die architektur täglich neu zeichnet: harte mittagssonne, tiefe schattenkanten, der klare horizont und die salzhaltige luft, die materialien ehrlich altern lässt. genau an diesem punkt setzt der umbau und die erweiterung an. das projekt versteht sich als präzise weiterentwicklung eines bestehenden hauses – mit dem ziel, eine ruhige, mediterrane wohnwelt zu schaffen, die offen ist, ohne ausgestellt zu wirken, und die sich mit wenigen, starken elemente klar in die landschaft einfügt.

im außenraum definieren klare rahmen und überdachte zonen einen neuen alltag. die pergola – in den fotos als großzügige, weiß gerahmte struktur erkennbar – wird zum atmosphärischen zentrum: eine leichte decke aus bambusrohren filtert die sonne, bricht das licht in feine streifen und erzeugt den typischen, bewegten schattenteppich, der sich über terrasse und fassaden legt. je nach tageszeit wird daraus entweder ein geschützter essplatz, ein wohnzimmer im freien oder ein stiller rückzugsort. die linearen tragprofile und die klare geometrie der rahmen lassen die natürliche textur des bambus umso stärker wirken – ein bewusstes zusammenspiel aus präzision und handwerklicher sinnlichkeit.

der entwurf arbeitet mit räumen, die nicht nur „drinnen“ oder „draußen“ sind, sondern dazwischen liegen: überdeckte terrasse, offene hofzone, gerahmte himmelsausschnitte. besonders deutlich wird das in den aufnahmen, in denen der blaue himmel als große, rechteckige fläche zwischen den weißen bauteilen erscheint. diese ausschnitte sind mehr als gestalterische gesten – sie steuern blickrichtungen, belichtung und das gefühl von weite. sie machen den wechsel zwischen sonne und schatten zu einem räumlichen ereignis und geben dem haus eine innere ordnung, die man intuitiv versteht.

ein zentrales motiv des projekts ist die materialität mallorcas selbst – insbesondere der stein marès. der als marès bekannte sandstein ist ein charakteristischer kalkstein der balearen, vor allem von mallorca und menorca. seine entstehung reicht millionen jahre zurück, als sich organische überreste und mineralien am meeresgrund ablagerten und sich allmählich zu sedimentgestein verdichteten. marès besteht aus einem hohen anteil calcit sowie fossilen korallen- und muschelresten; daraus ergeben sich die warmen farbtöne – gold, beige, teilweise leicht rosé –, die an die sonnigen landschaften der insel erinnern. genau diese farbigkeit wirkt im projekt wie ein gegenpol zur hellen, mineralischen weißfläche der architektur: nicht dekor, sondern erdung.

seit der antike wird marès auf mallorca und menorca als baumaterial eingesetzt – wegen seiner verfüg­barkeit, aber auch, weil er relativ weich ist und sich gut bearbeiten lässt. historische bauten wie kathedralen, burgen, mauern oder herrenhäuser verdanken dem stein ihre prägnanz; ein bekanntes beispiel ist die kathedrale von palma, deren substanz (und deren fortlaufende restaurierung) die dauer dieser tradition zeigt. diese geschichte wird im umbau nicht nostalgisch zitiert, sondern zeitgenössisch übersetzt: in den fotos ist eine fassade zu sehen, deren steinoberfläche über ein relief aus unterschiedlich tief gesetzten platten moduliert wird. das erzeugt plastizität, ein lebendiges schattenbild und eine haptische qualität, die sich je nach sonnenstand stark verändert. die fassade wird damit selbst zum filter – nicht nur visuell, sondern auch atmosphärisch.

gleichzeitig ist marès ein material mit anspruch. seine porosität macht ihn empfindlich gegenüber erosion, besonders in feuchter umgebung oder in meernähe, wo salz die abnutzung beschleunigen kann. genau deshalb ist der umgang mit dem stein immer auch ein thema der pflege und der konstruktiven sorgfalt. im projekt wird diese realität nicht verdrängt, sondern akzeptiert: der stein ist teil des ortes, und seine natürliche alterung gehört zur wahrhaftigkeit des hauses. marès ist hier nicht „perfekte haut“, sondern ein material, das geschichte und klima in sich trägt – und damit die identität der balearen unmittelbar sichtbar macht.

im innenraum setzt sich die idee der reduktion fort, jedoch wärmer und intimer. das bad – mit freistehender wanne vor der großen fensteröffnung – zeigt eine fast landschaftliche ruhe: licht, horizont, und ein minimaler raum, der dem ausblick den vorrang gibt. dazu kommt ein fein ausbalancierter materialkontrast: eine schwebende holzkonsole mit aufsatzbecken und eine großformatige spiegelzone, die den raum weitet, ohne ihn zu überladen. so entsteht eine stille luxusqualität, die nicht über objekte funktioniert, sondern über proportion, lichtführung und klare details.

insgesamt erzählt der umbau und die erweiterung in sa ràpida von einem mediterranen lebensgefühl, das nicht aus dekor entsteht, sondern aus architektur: aus schatten, der als raum gedacht wird; aus rahmen, die himmel und landschaft präzise fassen; aus materialien, die den ort nicht „nachahmen“, sondern aus ihm heraus entstehen. marès ist dabei weit mehr als ein baustoff – er ist symbol und substanz zugleich: ein stück kulturelles und natürliches erbe der balearen, das dem projekt seine unverwechselbare identität gibt und das haus harmonisch in die umgebung einbettet.

projekt: 1815
grösse: vertraulich
grundfläche: vertraulich (inkl. terrassen)
kunde: vertraulich
ort: sa rapida llucmajor, mallorca
typ: umbau erweiterung einfamilienhaus
team (gebäude): jle
team (innenarchitektur): jle
team (aussenanlagen): jle
verantwortliche architekten: jle