neubau mehrfamilienhaus, nordküste can picafort mallorca
das Projekt ist als viergeschossiges 3-Familienhaus mit Tiefgarage konzipiert und entwickelt seine architektonische Identität aus dem präzisen Zusammenspiel von Schichtung, Versatz und klimatischer Filterung. Der Baukörper folgt dabei keinem additiven Prinzip übereinandergestapelter Wohnungen, sondern einer differenzierten räumlichen Matrix, in der sich Volumen überschneiden, gegeneinander verschieben und in der Vertikalen miteinander verschränken.
Aus dieser Organisation entsteht eine vielschichtige Wohnfigur, deren Komplexität sich nicht in formaler Geste erschöpft, sondern unmittelbar aus Typologie, Topografie, Konstruktion und Klima hergeleitet ist.
Das Projekt umfasst drei Wohneinheiten, darunter zwei Duplexwohnungen. Ihre Anordnung folgt einer adaptiven, dem Geländeverlauf eingeschriebenen Split-Level-Logik, die das Haus als dreidimensionales Gefüge lesbar macht.
Die Grundrisse sind nicht schematisch geschossweise organisiert, sondern als räumlich ineinandergreifende Struktur entwickelt – eine Art „Tetris-Architektur“, in der einzelne Wohnbereiche teilweise überlappen, versetzt zueinander liegen und vertikal gestapelt werden.
Daraus entstehen differenzierte Innenräume mit spezifischen Blickbeziehungen, sorgfältig gesetzten Niveauwechseln und einer starken räumlichen Eigenständigkeit jeder Einheit. Zugleich bleibt das Ensemble als zusammenhängendes Ganzes erfahrbar.
Alle Wohnungen reagieren unmittelbar auf die Topografie des Grundstücks. Die Grundrisse sind dem Geländeverlauf adaptiv eingeschrieben und als Split-Level-Systeme mit unterschiedlichen Raumhöhen geplant.
Diese fein abgestufte Organisation erzeugt räumliche Dynamik und verleiht dem Innenleben des Hauses eine besondere Tiefenwirkung. Aufweitungen, komprimierte Übergänge und versetzte Ebenen schaffen eine wohnliche Choreografie, die sich deutlich von konventionellen Mehrfamilienhaustypologien absetzt.
Die lichten Höhen reichen dabei bis zu 3,10 Metern und verstärken das Gefühl von Großzügigkeit, Offenheit und atmender Proportion.
Im Zentrum jeder Einheit stehen offene Wohnlandschaften mit fließenden Übergängen zwischen Wohnen, Essen und Kochen. Diese Bereiche sind nicht als klar voneinander getrennte Zimmer formuliert, sondern als zusammenhängende Sequenzen, die durch Licht, Materialkontinuität, Möblierung und präzise gesetzte Blickachsen gegliedert werden.
So entstehen Grundrisse von hoher Alltagstauglichkeit und zugleich großer räumlicher Selbstverständlichkeit. Jede der drei Wohnungen verfügt über drei Doppelschlafzimmer, jeweils mit Bad ensuite. Ergänzt wird dieses Programm durch ein zusätzliches Gäste- beziehungsweise Arbeitszimmer, das auf unterschiedliche Lebensmodelle reagieren kann – als Homeoffice, Rückzugsraum oder temporärer Schlafbereich.
Die privaten Zonen sind klar organisiert, ohne sich vom offenen Gesamtzusammenhang zu isolieren.
Eine wesentliche Qualität von 2409 liegt in der engen Verzahnung von Innenraum und Freiraum. Mehrere Außenterrassen, Pergolen und Balkone erweitern die Wohnungen in vorgelagerte Aufenthaltsbereiche und schaffen eine Abfolge unterschiedlich geschützter Übergangszonen.
Diese Freiräume sind keine nachträglichen Additionen, sondern integrale Bestandteile des Entwurfs. Sie strukturieren Belichtung, Verschattung, Ausblick und Privatheit und tragen wesentlich zur klimatischen und atmosphärischen Qualität des Hauses bei.
Das gilt insbesondere für die Dachlandschaft, die als vollwertige zusätzliche Nutzungsebene verstanden wird. Sie ist nicht nur Abschluss des Baukörpers, sondern Teil des räumlichen Konzepts und vervollständigt die vertikale Staffelung des Hauses um eine weitere Schicht des Wohnens unter freiem Himmel.
Insgesamt sind drei Pools in das Projekt integriert. Zwei befinden sich in den Gartenbereichen der unteren Einheiten und sind unmittelbar mit den privaten Außenräumen verbunden. Ein dritter Pool ist auf dem Dach situiert und der Dachlandschaft zugeordnet.
Diese Verteilung verstärkt die Idee eines in Ebenen organisierten Wohnens, das sich nicht nur innerhalb des Baukörpers entfaltet, sondern auch über differenziert ausgebildete Außenräume. Garten, Terrasse, Pergola, Balkon und Rooftop werden so zu aufeinander bezogenen Bausteinen eines zusammenhängenden Freiraumsystems, das jeder Wohnung eine spezifische Form von Offenheit und Rückzug ermöglicht.
Die Fassaden von 2409 sind geprägt von mallorquinischen Persianas, die als bewegliche, vorgelagerte Schicht die äußere Erscheinung ebenso bestimmen wie die klimatische Performance des Gebäudes.
Diese Architektur der Filter, Lamellen und Klappläden greift lokale Bautraditionen auf, ohne in Regionalismus zu verfallen. Sie wird als zeitgenössische Membranarchitektur interpretiert: eine teiltransparente zweite Ebene, die zwischen Innen und Außen vermittelt, Licht reguliert, Einblicke filtert und Verschattung präzise steuerbar macht.
Durch das Spiel von Öffnung und Schließung verändert sich die Fassade permanent und verleiht dem Haus eine lebendige, tief gegliederte Tektonik.
Diese vorgelagerte Schicht übernimmt zugleich eine zentrale bauklimatische Funktion. Sie wirkt als Wärmepuffer, reduziert solare Lasten, verbessert das Mikroklima der vorgelagerten Räume und unterstützt damit die energetische Gesamtleistung des Hauses.
Die Fassade ist in diesem Sinn nicht Hülle im konventionellen Verständnis, sondern aktiver Teil eines mehrschichtigen ökologischen Systems. Die Architektur gewinnt ihre Präsenz gerade aus dieser Verknüpfung von Atmosphäre, Funktion und konstruktiver Präzision.
Konstruktiv basiert 2409 auf einer CLT-Bauweise. Der Einsatz von Brettsperrholz ermöglicht eine ressourcenschonende, CO₂-reduzierte Bauweise und bietet zugleich jene strukturelle Klarheit, die für die komplexe Verschränkung der Split-Level- und Duplex-Typologien erforderlich ist.
Die Wahl des Materials folgt dabei nicht allein ökologischen Überlegungen, sondern auch einem architektonischen Anspruch: Holz prägt die Innenräume mit einer ruhigen, warmen und haptisch präzisen Atmosphäre und bildet gleichzeitig die konstruktive Grundlage für die differenzierte räumliche Organisation. In Verbindung mit den mineralischen Volumen der massiveren Bauteile entsteht ein ausgewogenes Verhältnis von Leichtigkeit und Substanz, Offenheit und Schutz.
Die Materialität des Hauses ist insgesamt nachhaltig, langlebig und ressourcenschonend gedacht. Verwendet werden robuste, reparaturfähige und in ihrer Wirkung zurückhaltende Materialien, die dem Gebäude eine stille Selbstverständlichkeit verleihen. Helle, mineralische Oberflächen treten in einen spannungsvollen Dialog mit den warmen Holzstrukturen der Persianas, Pergolen, Balkone und Innenräume.
Diese sorgfältig austarierte Materialpalette stärkt den Zusammenhang von Konstruktion, Klima und Atmosphäre und verankert das Projekt zugleich in einem mediterranen Kontext, ohne sich ästhetisch auf Klischees zu stützen.
Auch energetisch ist 2409 als zukunftsfähiges Wohngebäude entwickelt. Das Haus folgt einem Energieplus-Ansatz, bei dem passive und aktive Systeme präzise miteinander verzahnt sind. Die vorgelagerte Fassadenmembran, die Ausbildung thermischer Pufferzonen, die kompakte volumetrische Organisation und die nachhaltige Holzbauweise bilden die Grundlage der passiven Strategie.
Ergänzt wird diese durch mehrere Wärmepumpen, die auf die Anforderungen des Mehrfamilienhauses abgestimmt sind und eine effiziente Gebäudekonditionierung ermöglichen. Nachhaltigkeit wird dabei nicht als technische Zusatzausstattung verstanden, sondern als integraler Bestandteil des Entwurfs – von der Konstruktion über die Gebäudehülle bis zur Nutzungslogik.
2409 formuliert damit eine eigenständige Typologie des verdichteten Wohnens, die räumliche Großzügigkeit nicht allein aus Fläche ableitet, sondern aus Schnitt, Schichtung, Höhenentwicklung, klimatischer Intelligenz und der Qualität der Übergänge.
Das Projekt verbindet die Präzision des Holzbaus mit einer mediterran geprägten Filterarchitektur, die Offenheit zeitgenössischer Wohnformen mit dem Schutz mehrschichtiger Hüllen und die Logik des Geländes mit einer sorgfältig komponierten vertikalen Organisation.
So entsteht ein Haus, das weder als klassischer Wohnblock noch als Sammlung separater Einheiten verstanden werden kann, sondern als räumlich dichtes, konstruktiv präzises und ökologisch verantwortungsvolles Ensemble.
In seiner architektonischen Haltung ist 2409 ein Haus der abgestuften Übergänge: zwischen Terrain und Baukörper, zwischen Geschossen und Halbebenen, zwischen Struktur und Membran, zwischen Innenraum und Landschaft. Gerade diese kontrollierte Durchlässigkeit bestimmt die Qualität des Projekts.
Das Wohnen wird hier nicht als statische Typologie begriffen, sondern als vielschichtige, atmosphärisch dichte und präzise choreografierte Erfahrung, entwickelt aus Ort, Klima, Material und Gebrauch.
projekt: 2409
grösse: vertraulich
grundfläche: vertraulich (inkl. terrassen)
kunde: vertraulich
ort: can picafort, mallorca
typ: neubau mehrfamilienhaus
team (gebäude): jle
team (innenarchitektur): jle
team (aussenanlagen): jle
verantwortliche architekten: jle